Orinuno – gefaltete Seide

Elisabeth Holzer

ori – falten

nuno – Stoff
(Japanisch)

So wie Origami der japanische Begriff für die Kunst des Papierfaltens ist, so bezeichnet die Wortschöpfung Orinuno die Kunst des Faltens von Stoff.
Orinuno ist ein Ergebnis meiner Suche nach Möglichkeiten, die willkürliche Entscheidung über das Aussehen eines Produkts einem bestimmten Prinzip zu übertragen – möglichst wenig zu »designen«, dafür aber mit dem Material selbst zu arbeiten. Eine Suche, die mich seit längerem beschäftigt. In dieser Arbeit resultiert also die Gestaltung aus der verwendeten Technik und den Besonderheiten des Materials.

Technik
Die Herstellungsweise ist der des Plissierens ähnlich, allerdings kann bei Orinuno auch in unterschiedliche, sogar entgegengesetzte Richtungen gefaltet werden. Der Ausgangspunkt für die Arbeit sind Origamifaltungen, die abgewandelt, rapportiert und von Papier­modellen in das textile, eigentlich nicht faltbare Material übertragen werden.
Das Entstehen der Faltmuster könnte man als empirische Mathematik bezeichnen. Wurde einmal ein Kreuzungspunkt oder eine »Figur« festgelegt, ergibt sich daraus logisch die Strukturierung der gesamten Fläche. Trotzdem lassen sich unendlich viele »Muster« erzeugen, die wiederum alle auf dieselben Prinzipien zurückzuführen sind.

Ästhetik
Orinuno, die gefaltete Seide, wirkt völlig anders als die eher technisch aussehenden, konstruktiv genauen Modelle aus Papier, aus denen es hervorgeht. Die flexible, aber doch eigenwillige und störrische Organzaseide lässt die Kanten weich werden, die Exaktheit geht verloren zugunsten einer attraktiven Un­schärfe.
Auch das Falten selbst wird zum Gestaltungs­mittel. So werden die Strukturen plastisch und die zweidimensionale Fläche beginnt sich räumlich auszudehnen. Aus der Fläche wird ein Körper.
Der ästhetische Wert wird durch die Art der Präsentation verstärkt. Zudem bieten die auf beiden Seiten verglasten Vitrinenrahmen dem Licht die Möglichkeit, mit dem durch die Faltungen entstandenen Durchsichten und Aufsichten, die durch das transparente Material entstehen, zu spielen.

Funktion
Jedes Objekt ist durchweg aus einem Stück gefertigt und hat allein durch seine Faltung eine bestimmte Eigenschaft gewonnen, die sich von der des Ausgangsmaterials erheblich unterscheidet. Neben ihren optischen Reizen bietet jede Arbeit eine besondere Haptik sowie verschiedene »Funktionen«, die unter anderem auf der Art der Herstellung und der neu entstandenen Statik beruhen. So lassen sich manche Objekte bis auf das Neunfache ihrer eigentlichen Größe auseinanderziehen. Andere Stücke werden elastisch oder sehr stabil.
Die falt-technischen Möglichkeiten sind dabei noch lange nicht ausgeschöpft. Diese besondere Art der »Materialerzeugung« bietet ein großes und spannendes Experimentier- und Anwendungsfeld.
Meine Arbeiten sind durch Faltungen struk­turierte textile Flächen. Sie stehen als Objekte für sich. Aber ebenso sind sie eine Studie zu Material, Technik und Verfahren, die zum Weiterdenken anregen möchte.

Attachments:
Download this file (1.jpg)1.jpg[ ]246 kB
Download this file (2.jpg)2.jpg[ ]269 kB
Download this file (3.jpg)3.jpg[ ]208 kB
Download this file (4.jpg)4.jpg[ ]313 kB
Download this file (5.jpg)5.jpg[ ]170 kB

Orinuno – gefaltete Seide
Elisabeth Holzer