Zwischenfall

Silvia Lorenz

Der größte und eleganteste Raum der Kunsthochschule, die holzvertäfelte Aula, wartet seit Jahren auf Sanierung. Als Herausforderung der gegenwärtigen Situation und im Hinblick auf die kunsthistorische Ordnung, die dort üblicherweise vermittelt wurde, schlugen während des »Zwischenfalls« aus den Kron­leuchtern Wurzeln und aus den Wänden Zweige.

Ein Rasenstück im Sinne Dürers – dieser grub 500 Jahre vorher ein Stück Wirklichkeit aus, um es in seinem Atelier genauer zu betrachten und später in eine Komposition umzuwandeln. Auch diesmal war das Material in der »Wirklichkeit« eingesammelt: handelsübliche Papprollen in jedem erdenklichen Format, vom Toilettenpapier bis zum Teppichkern. Ineinandergesteckt, abgebrochen und fort­gesetzt, harrten die bis zu sechs Meter hohen Gewächse in der Aula aus – wie auf einer Theater­bühne während der Pause.

Als Fußnote in der Installation wies die kleine Fotografie »Unfall« auf einen ähnlichen Zwischenfall im Außengelände der Schule hin. Doch der Blick aus dem Fenster zeigte, dass die Spuren dort bereits beseitigt waren.

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Zwischenfall
Silvia Lorenz