Meine Leidenschaft, als Zeichnerin und Autorin, gilt den zwischenmenschlichen Beziehungen. In meinen Büchern werden Charaktere dargestellt, die Unterschiedlichstes miteinander erleben und mehr oder weniger Freude daran haben. Es geht um Begeg­nungen von Frau und Mann, um zwei Menschen, die sich zwischen Mühe und Leichtigkeit, zwischen Streit und Harmonie bewegen, auf einer sich stets abwech­selnden Strecke von Nähe und Distanz, mit wachsen­der oder schwindender Übereinstimmung. Alltägliche Situationen bergen existenzielle Fragen. Meine Ge­schichten streben an, mit Zeichnung und Dialog, die Tiefe und die Oberfläche anmutig miteinander zu ver­binden — die Komplexität des Lebens mit neuen Wor­ten zu formulieren.
Ich suche in harmlos scheinenden Situationen nach Schätzen und möchte den Blick für das Komische, das Tiefgründige, das Empörende, das uns umgibt und ausmacht, schärfen. Das Wesentliche steckt nicht im­mer da, wo man es denkt. Es entstehen dann Erzäh­lungen mit mehreren Sinnschichten, die zum Lachen und zum Nachdenken anregen können, die einen Wie­dererkennungseffekt erzeugen mit dem tröstenden Gefühl für die Leser_Innen, dass man mit dem Durch­einander letztendlich umgehen kann. Chaos, Lange­weile, Frustration, Leichtigkeit, Frohsinn, Leiden, Rat­losigkeit, Freude — all dies wechselt sich mit großer Berechenbarkeit ab. Ein Bild davon kann zugleich un­terhalten, beruhigen und ein Gefühl des Verstehens erzeugen.
Es gibt keine Lösung, und das ist ok so.



Mart-Stam-Förderpreis
Anna Marin