Silvia Lorenz : Zwischenfall
In der holzvertäfelten, auf die Sanierung wartenden Aula der Kunsthochschule wächst eine fantastische Landschaft zwischen Abbruch und Aufbruch, die einige architektonische Bestandteile des Raumes aufgreift oder fortführt, anderen entgegensteuert.
Aus den Rippen der Wände und den Kronen ohne Stämme sind Wurzeln und Triebe geschlagen, ein Abfall-Wald, durch den ein ziemlicher Wind gefegt ist. Zugleich ein Rasenstück im Sinne Dürers –
dieser grub 1503 vor den Türen Nürnbergs ein Stück Wirklichkeit aus, um es in seinem Atelier
genauer zu betrachten, und umzuwandeln bzw. auf dem Bild neu zu arrangieren.
Auch hier gibt die „Wirklichkeit“ die Formate vor: die Arbeit besteht aus einer Vielzahl von
handelsüblichen Papprollen, vom Toilettenpapierkern bis zur Teppichrolle. Diese sind ineinandergesteckt,
abgebrochen und fortgesetzt, soweit es das Material erlaubt.
Der „Zwischenfall“ findet an einem Ort, zu einer bestimmten – kurzen – Zeit statt.
Einige nehmen ihn wahr, andere nicht – wuchernder Abfall, Bühne mit stehengebliebener Handlung,
gedankliche Bruchstelle oder Beginn einer Baustelle? |
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